Die Menschen an sich sind nicht das Problem ...

Dieses habe ich am 25.11.2007 als Beitrag im www.peak-oil-forum.de geschrieben.
Da das Forum leider seit ca. 22. September 2019 nicht erreichbar ist, wiederhole ich den Beitrag nun hier.


Die Menschen an sich sind nicht das Problem, es kommt auf's Benehmen an!
Wenn sie sich gut benehmen, ist Platz in der kleinsten Hütte / auf der Welt.
Wenn sie sich nicht benehmen, sind zwei in einem großen Haus schon zu viel.



Hallo allerseits,

das obige ist seit langer Zeit mein Motto. Dabei heißt "benehmen" nicht, mit Messer und Gabel zu essen oder ähnliche nebensächliche Dinge, sondern gegenseitige Achtung, Rücksicht, Wohlwollen und auch der sparsame Umgang mit allem was knapp ist.

Ein Beispiel: Ich habe immer gern volles Haus. Wenn viele da sind, lohnt es sich, Essen zu machen, einzuheizen etc. ... es tut sich was, es ist Leben im Haus. Ich erwarte von den Gästen nicht viel, nur dass sie sich benehmen, also nicht absichtlich etwas kaputt machen, dass sie nicht Streit suchen, vielleicht mal mit anpacken ... (und ich hab fast nur gute Erfahrungen).


Schon zu meiner Schulzeit war von "Überbevölkerung" die Rede und ich fand das Wort schon damals unfreundlich.

Wir hatten aber einen guten Lehrer. Er behandelte das Thema neutral als Fragestellung. Wir lernten, dass man sich Gedanken macht, wie die Tragfähigkeit der Erde wäre, also wie viele Menschen hier gut leben könnten. Solche Gedanken hatte man sich aber auch schon in früheren Jahrhunderten gemacht, als es noch viel weniger Menschen gab und auch damals dachte man schon, bald an die Grenze der Tragfähigkeit zu kommen.


Wie gesagt, das Wort "Überbevölkerung" fand ich schon damals unfreundlich und finde es auch noch heute. Wer sagt, es gäbe zu viele Menschen, muss sich auch die Frage gefallen lassen, wer denn zu viel sei.

Sind es die Armen in Afrika (die einem Wohlgenährten hier vielleicht latent ein schlechtes Gewissen bereiten)?
Sind es die fleissigen Chinesen?
Sind es die "Unnützen" (z.B. Alte), die keine Leistung bringen oder bringen können?
Sind es die Leute, die "mein" Öl verbrauchen?
Sind es vor allem die Leute, die man nicht mag?
Sind es alle gleich?
Ist man es selbst?


Wenn es wirklich weniger Menschen gäbe, soll Niemand glauben, dass es nur die beträfe, die einem nichts bedeuten. Man müsste sich genauso einen Teil wegdenken von:

- Filmstars, Fußballern, Musikgruppen, Komponisten, Malern, Philosophen, Ärzten, Forschern, Erfindern, Schriftstellern ...

- Seiner Arbeitgeber, Mitarbeiter, Schüler, Lehrer

- seiner Bekannten, Vorbilder, Freunde, Verwandten, und Familie


Aber dann - so mag mancher sagen - hätte ich statt der heutigen Freunde eben andere, genauso gute. Das halte ich für einen Trugschluss, denn der Anteil an Menschen, die einem liegen, wäre kaum größer, auch wenn bei weniger Menschen der Zusammenhalt aus praktischen Gründen größer wäre. Man braucht nur mal als Gedankenexperiment die Zahl der Menschen reduzieren, bis zum Extremfall, dass es nur einen Menschen gäbe. Er würde wohl an Einsamkeit zugrunde gehen. (Siehe auch Buch von Herbert Rosendorfer: Großes Solo für Anton, zweiter Link, Zitat: Als letzter Mensch auf Erden müsste man sich keine Sorgen mehr um Geld, Klimawandel oder überfüllte Straßenbahnen machen. Was aber, wenn man, wie Rosendorfers Anton, auf einmal Zahnweh bekommt?

Lang vorher würden sich die wenigen Menschen, verteilt auf der Welt, kaum je zu Gesicht bekommen. Wie viele müssen es sein, bis ein Schriftsteller darunter ist, der ein Theaterstück schreibt? Wie viele, bis er genügend Schauspieler unter ihnen findet, um das Stück aufzuführen? Wie viele, bis es sich lohnt, dafür ein Thater zu bauen?
Wie viele Menschen müssen es sein, bis es Laptops gibt? Oder das Internet oder Internetforen?
Unsere Welt ist sehr bunt und vielseitig. Sie wäre es nicht ohne die Menschen!
Trotz aller Enttäuschungen darüber, wie schlecht Menschen sein können, sind sie das Beste, was es auf dieser Welt gibt, zusmmen mit der Natur, den Pflanzen und Tieren.

Oder wie es einer von ihnen vor mir schon sagte:

Die Menschen sind, trotz ihren Mängeln -
das Liebenswürdigste, was es gibt.
Johann Wolfgang von Goethe


Die meisten Menschen zieht es dort hin, wo schon viele Menschen sind und das beweist doch eigentlich, dass die Vorteile irgendwie die vermeintlichen Nachteile überwiegen müssen. Wo viele sind, ist was los und das bedeutet Lebensqualität.

Ein schönes Beispiel ist Indonesien. Wer Indonesien sagt, meint meistens die Insel Java (außer Touristen, die an die kleine Insel Bali denken). Dort ist die Hauptstadt und dort lebt der Großteil der Indonesier, etwa 900 pro km², und dort spielt sich fast alles ab. Es ist das pulsierende Leben. Dabei besteht Indonesien aus weiteren, teils viel größeren Inseln, Sumatera und Kalimantan, wo aber vergleichsweise kaum jemand wohnt. Die meisten wollen eben dort sein, wo viel los ist, "angesehene" Arbeistplätze (nicht nur bäuerliche), Universitäten, Märkte, Geschäfte, Diskotheken, Kinos, Hallenbäder, Theater, Freizeitparks ...

Mehr über Indonesien, auch Zahlen, habe ich im Thread "Ist der Weltweite Klimawandel Schuld an Indonesiens Katastrophen?" im alten Forum geschrieben - als Antwort auf den Beitrag von hully-gully (die er wahrscheinlich nicht mehr entdeckt hatte).


Natürlich ist irgendwo eine Grenze, wie viele Menschen gut auf der Erde leben können - und die ist sicher nicht erst ereicht, wenn sie dicht an dicht stehen ;-)
Alles bisher gesagte könnte man dann mehr oder weniger noch genauso sagen, und es muss schon erlaubt sein, zu fragen, wo denn der Punkt wäre, an dem es zu viele sind. Ich bin aber der Meinung, dass das Thema noch lange nicht relevant ist. Ich sag mal etwas provozierend: Vielleicht ist es bei 100 Milliarden oder bei 1000 Milliarden? Das mag für manche erschreckend klingen, aber unserer Vorstellung entziehen sich solche Zahlen doch sowieso. Wer kann sich schon eine halbe Milliarde bildlich vorstellen? oder wer kann sich die Größe unserer Erde bildlich vorstellen? Wo die Tragfähigkeit wirklich liegt, hängt ganz stark davon ab, von welchen Voraussetzungen man ausgeht und da beträgt der Unterschied schnell mal Größenordnungen (also jeweils Faktor 10). Allein der Energieverbrauch pro Kopf kann sich zwischen zwei Ländern locker um den Faktor 10 unterscheiden. Essen die Leute Fleisch oder Pflanzen? Auch da ist schon wieder eine Größenordnung dazwischen usw. Es ist vielleicht verständlich, dass vom heutigen Zustand ausgegangen wird, aber es ist nicht gut begründet. Ich behaupte mal, noch lang bevor das Thema wirklich relevant würde, werden die Menschen von allein "fauler", was das Kinder bekommen betrifft. Bei uns sind sie das schon mehr als man sich wünschen kann, mit den bekannten demographischen Problemen, dass sich bald wenig junge Menschen um viele alte kümmern müssen. Im wahrsten Sinn auf die Spitze getrieben ist es in diesem Cartoon (ganze Seite), der die Alterspyramide komplett auf den Kopf stellt.


Trotzdem mal genauer zu der Frage nach der Tragfähigkeit:

Wieso sollte es zu viele Menschen geben?


1. Fehlt es an der Luft zum Atmen?

Man sagt, die Ameisen seien den Menschen überlegen, nicht nur zahlenmäßig - das wird niemanden wundern - sondern auch gewichtsmäßig. Alle Ameisen auf der Welt bringen also mehr Gewicht auf die Waage, als alle Menschen. Ich nehme mal an, dass das, grob vereinfacht, auch für den Stoffwechsel gilt und dass die Ameisen z.B. auch mehr Sauerstoff atmen als die Menschen. Trotzdem würde kaum jemand behaupten, es gäbe zu viele Ameisen auf der Welt, also die Tragfähigkeit wäre überschritten. Man denke auch an die vielen anderen Arten von Tieren. Dass es mit den Menschen Probleme gibt, muss also an etwas anderem liegen - da werden mir noch die meisten zustimmen.


2. Fehlt es am Platz?

Wer zur Weihnachtszeit über den Münchner Marienplatz geht, wo jährlich, zusätzlich zum sonst schon üblichen Getümmel, noch der Christkindlmarkt stattfindet ... oder wer im morgendlichen Berufsverkehr, nach Semesterbeginn, in eine der vollen U-Bahnen Richtung Universität zu kommen versucht ... der kann schon den Eindruck bekommen, es gäbe zu viel Menschen auf der Welt. Das liegt aber an dem falschen Eindruck, den er in dem Moment bekommt (subjektiv). Genauso gut könnte man als Ameise in einem Ameisenhaufen den Eindruck gewinnen, es gäbe zu viele Ameisen auf der Welt.
Die Leute im Getümmel haben das letztlich selbst gewählt. Nimand muß unbedingt in einer Großstadt studieren oder dort auf den Christkindlmarkt gehen. Es gibt noch viele dünn besiedelte Gebiete auf der Welt, wo man sogar leben könnte, aber die meisten wollen garnicht einsam leben. Das ist viel zu langweilig. Selbst in unserem angeblich "dicht besiedelten" Land gibt es Gegenden, wo weit und breit fast niemand wohnt. Aber selbst normale ländliche Gegenden gelten vielen als "Provinz". Da ist nichts los. Da will man nicht leben.
Wer könnte bei uns einem Kind ins Gesicht sagen: Für Dich ist auf dieser Erde kein Platz? Wer könnte es zu einem Erwachsenen sagen? Wäre das nicht absolut lächerlich? (Ich will ja niemand zu nahe treten, der sich wirklich Sorgen wegen der "Überbevölkerung" macht.)
Bei uns werden immer mehr Häuser gebaut, obwohl die Bevölkerung abnimmt. Dafür leben immer mehr als Singles. Die Menschen sind zu unverträglich und deshalb braucht jeder eine eigene Wohnung. Damit wäre ich wieder bei meinem Motto ganz oben. Das ist unwirtschaftlich bezüglich Energie. Jeder braucht einen eigenen Kühlschrank, Fernseher ... und heizt eine Wohnung, in der im Schnitt "fast niemand" wohnt. Dazu kommt die Herstellung der ganzen neuen Wohnungen und des Hausrates.

Es ist aber auch unwirtschaftlich bezüglich Platz. Orte werden immer dichter zugebaut, bis man zwischen den Häusern kaum noch durch kommt - und dann entsteht wieder der Eindruck, es gäbe zu viele Menschen ... obwohl die in dem Ort überhaupt nicht mehr geworden sind - nur die Häuser. Es ist ein geistiges Problem. Weil die Leute zu unverträglich sind, kommen sie mit dem Vorhandenen nicht zurecht und "brauchen" immer mehr Materielles, was aber letztlich nichts hilft.
Auch astronomische Grundstückspreise müssten nicht sein (sondern sind wahrscheinlich von den Entscheidern oft genug gewollt, weil sie selbst einige besitzen). Man will eine "Zersiedelung der Landschaft" verhindern. Ehrlich gesagt fände ich es nicht schlimm, wenn zwischen unserem Dorf und dem nächsten noch ein kleines Dorf entstehen würde. Ich wünsche es mir nicht unbedingt. Man soll sparsam mit dem Land sein und nicht lauter neue Straßen und Einkaufszentren auf der grünen Wiese bauen, die niemand braucht, aber zum Leben muss Platz sein und könnte es mit Leichtigkeit!
Wenn Außerirdische uns Menschen beobachten würden, wie wir uns mancherorts kaum umdrehen können und welch riesige Gebiete auf der Erdkugel fast menschenleer sind, können sie uns eigentlich nur einen Vogel zeigen (falls sie diese Geste kennen).


3. Führen zu viele Menschen zu Streit?

Tatsächlich ist es wohl so, dass bei zu großer Dichte allein deswegen Konflikte auftreten. Es ist bekannt, dass die Schweine (man möge mir den uncharmanten Vergleich verzeihen), wenn sie zu dicht in einem Stall zusammengepfercht sind, allein deswegen Stress bekommen, unruhig werden, sich gegenseitig verletzen etc. Bei den Menschen ist dieser Effekt vermutlich in manchen Großstädten Asiens erreicht, wo sie sehr dicht wohnen, fast wie im U-Boot. Dort gibt es macherorts erhöhte Kriminalität, die man auf diesen Effekt zurück führt.
Im Normalfall gibt es auf der Welt keineswegs dort die Konflikte und Kriege, wo die meisten Menschen leben (Bevölkerungsdichte Jugoslawien ca. 104 Einw/km², Tschetschenien: ca. 59 Einw/km², Irak: ca. 50 Einw/km², Afghanistan ca. 38 Einw/km², Sudan ca. 11 Einw/km², Zahlen von vor ca. 10 Jahren). Die Ursachen sind ganz andere (z.B. Machtansprüche, strategische Bedeutung, Bodenschätze, kulturelle Unterschiede, Missverständnisse ... mangelndes "Benehmen"). Wenn der "Dichtestress" lokal auftritt, ist es nur ein Verteilungsproblem, aber kein weltweites. Eine allgemeine Aussage, wo viele Menschen wären, wäre viel Unfrieden, stimmt genauso wenig, wie wenn man sagen würde: Arme Menschen sind krimineller als reiche.


4. Reicht die Energie nicht?

Da wären wir beim Thema des Forums. Angesichts zukünftig knapper werdender endlicher Energie (Öl, Gas, Uran, Kohle) taucht auch hier im Forum in schöner Regelmäßigkeit die Frage auf, wie viel Menschen denn dann noch auf der Erde leben könnten.
Weit verbreitet ist etwa die Annahme, dass die Zahl bei einer halben Milliarde läge, weil es so viele Menschen zu Beginn der Industrialisierung gegeben habe.
Das beweist nur, dass eine halbe Milliarde ohne Industrie möglich ist (Minimum).
Die Zahl gleichzeitig als Maximum anzunehmen, halte ich für schlecht begründet. Wer sagt denn, dass die Menschheit nicht ohne Industrie ebenfalls weiter gewachsen wäre, nur langsamer?
Ich behaupte mal, dass sich die Menschen über ganze Epochen hauptsächlich durch Unwissenheit und Dummheit selbst dezimiert haben. Dazu gehören:

Früher oder später hätten die Menschen dazu gelernt, auch ohne das "Strohfeuer" der fossilen Energie und des vorübergehenden "Wohlstandes". Diese haben vermutlich nur eine Zeitraffer bewirkt. Heute haben wir viel zusätzliches Wissen (das wir sonst erst später erlangt hätten) und es stellt sich nur die Frage, was wir daraus machen. Wir können damit Fehler der Vergangenheit vermeiden, neue Methoden in der Landwirtschaft einführen, erneuerbare Energien nutzen ... oder uns wieder gegenseitig dezimieren. Es ist wieder eine Frage des Benehmens.

Manche glauben ja sogar, sie müssten die Menschheit dezimieren - damit die Restlichen Energie genauso verschwenden können wie bisher?

NEIN! Man soll nicht die Menschen in Fage stellen, sondern nur ihren Lebensstil. Die Frage darf nicht lauten: Wie viel Menschen können wir uns leisten mit der vorhandenen Energie", sondern: Wie viel Energieverbrauch können sich die Menschen leisten mit der vorhandenen Energie?

Wenn ich eine Familie mit mehreren Kindern auf der Straße sehe, sage ich nicht: "Aha, lauter zukünftige Energieverbraucher", sondern: "Schön, das Leben geht weiter und es wird bunt und schön bleiben. Hoffentlich bringen die Eltern den Kindern nicht die Verschwendung bei, sondern Sparsamkeit, Vertrauen und eine positive Einstellung."

Während der Industrialisierung haben sich die Menschen angewöhnt, für dieses und jenes (technische) Energie zu verwenden, aber das können sie sich auch wieder abgewöhnen, wenn's auch schwer fällt. Allein, außer Lippenbekenntnissen ist noch nicht viel Ernsthaftes in der Richtung geschehen. Es ist noch kaum ein Bewusstsein vorhanden. Ein Beispiel: Mein Computer mit Monitor brauchte 160 Watt. Mein Laptop, auf den ich umgestiegen bin, braucht 32 Watt (es gäbe auch welche, die kämen mit der Hälfte aus). Das sind 80% (bzw. 90%) Einsparung, ABER: Die habe ich nicht etwa dem Umstand zu verdanken, dass sich die Hersteller Gedanken um den allgemeinen Stromverbrauch gemacht hätten. Sie haben das nur gemacht, weil Akkus nicht in beliebiger Kapazität verfügbar sind. So wurden sie zu einem sparsameren Design animiert, damit die Laufzeit passt.

Genauso wenig Energiebewusstsein bewies unser Verkehrsminister Stolpe, als er vorschlug, Fahren mit Licht am Tag bei uns einzuführen. Der Mehrverbrauch der Autos würde den ganzen Anbau von Raps für Biodiesel in Deutschland aufzehren. In Österreich ist dieser Schildbürgerstreich schon Realität (soll aber offenbar wieder geändert werden). Selbst bei hellstem Sonnenschein fahren die Autos dort mit Licht :-(.
Ich schlage statt dessen vor, mal endlich bei uns die Straßenbeleuchtung abzuschaffen.
Wenn etwas vorsichtiger gefahren wird (->Benehmen), gibt's ohne Straßenbeleuchtung auch nicht mehr Unfälle.
Mancher wird einwenden: "Aber die Kriminalität ..." In wie vielen Geschäften, Tankstellen etc. brennt nachts das Licht, nur damit keiner einbricht. Wie viel Energieeinsatz werden wir uns in Zukunft noch leisten, um unser mangelndes Benehmen und die Angst voreinander zu übertünchen?
Der Hausmeister des Gymnasiums in unserem Nachbarort hat mir sein Leid geklagt, dass in der Tiefgarage der Schule die ganze Nacht das Licht brennt, 38 Leuchtstoffröhren, obwohl dort niemand ist. Das ginge nicht anders wegen der Sicherheit, habe man ihm gesagt.
Auf der anderen Seite sprechen Leute vom großen die-off wegen Peak Oil, planen den vielleicht sogar schon zu inszenieren oder planen Kriege, was in eine ähnliche Richtung geht. Was haben wir dann von der "Sicherheit" in der leeren Tiefgarage?

So lange das Energiebewusstsein bei uns so bescheiden ist und noch kaum etwas von Kinderschuhen gehört hat - so lange Leute sich mit unproduktiven Dingen wie Patenten oder gar Patentstreitigkeiten, Versicherungen, Aktien, Bürokratie, Verwaltung wohin man schaut, beschäftigen - so lange sie dafür täglich über zig Kilometer pendeln - so lange sie alle paar Jahre ihre Wohnungseinrichtung erneuern - so lange sie kaum wissen, ob sie heißes oder kaltes Wasser aufgedreht haben ...
... so lange kann mir niemand erzählen, dass es zu viele Menschen gäbe, weil die Energie nicht reiche.
Streng genommen brauchen Menschen überhaupt keine (technische) Energie, um zu leben und ohne sie zu leben, ist immer noch besser, als sein Leben in Frage gestellt zu bekommen oder gar zu verlieren.


5. Werden nicht alle satt?

Etwas zu Essen ist ja, außer der Luft zum Atmen und Wasser, tatsächlich wichtig.
Wenn man so an Getreidefeldern vorbei geht, kann man schon nachdenklich werden bei dem Gedanken, was da drin steckt an Aufwand für Treibstoff und Düngemittel. Bei einer Gurke aus dem Gewächshaus habe ich die Faustregel gehört, dass sie etwa einen Liter Heizöl "verbraucht" hat. Eine Kuh soll in ihrem Leben etwa 1000 Liter verbrauchen. Da kann man wirklich sagen, unsere Landwirtschaft sei eine Methode, Öl in Lebensmittel zu verwandeln. Nur, weder die Gurke, noch die Kuh haben sich das ausgedacht. Von Natur aus brauchen sie beide überhaupt kein Öl! Es liegt am Menschen, der es sich, wie gesagt, angewöhnt hat für vieles Öl zu verwenden, weil er es eben hatte. Das Angebot sucht sich seine Nachfrage.

Erst mal ist ja das Sparpotential in anderen Bereichen immens (vorheriger Punkt), so dass es für die Landwirtschaft noch lang reichen müsste. Dann gibt es noch Sparpotential in der Landwirtschaft selbst. (Schon öfter habe ich Bauern beim "Holzspalten" gesehen - der Traktor mit dem Spalter tuckerte schon 'ne Viertelstunde vor sich hin, während der Bauer ratschte oder etwas anderes machte - auch hier noch kaum Energiebewusstsein.) Darüber hinaus gibt's noch viele andere Möglichkeiten:

Man kann allerlei Berechnungen anstellen, aber das Ergebnis ist wieder um Größenordnungen davon abhängig, von welchen Voraussetzungen man ausgeht.

So lange wir hauptsächlich ein Ernährungsproblem in Richtung Übergewicht haben und Schlankheitspillen, Schlankheitskurse ... brauchen - so lange es bei vielen üblich ist, den Teller nicht leer zu essen - so lange Gänse der Leber wegen gemästet werden - so lange jemand auf die Idee kommt, Getreide für Energiezwecke zu verbrennen oder zu vergären - so lange in unseren Vorgärten Oleander kultiviert wird, statt Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Kohl, Obstbäumen ...
... so lange kann mir niemand erzählen, wir könnten nicht alle satt bekommen und deshalb gäbe es zu viele Menschen.


6. Werden uns Krankheiten dahin raffen?

Das ist aus meiner Sicht der erste ernst zu nehmende Grund, weshalb die Zahl der Meschen an Grenzen stoßen könnte, ohne dass es am schlechten Benehmen der Menschen selbst liegen würde. Es gibt keine Raubtiere, die uns fressen und mit unserem Wissen können wir uns auf vielfältige Weise mit Essbarem versorgen. Je mehr Menschen es gibt, desto größer ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Krankheiten bilden. Ich meine nicht die "Vogelgrippe" und auch nicht Aids, sondern eher etwas mit der Ausbreitungsfähigkeit von Windpocken und der Gefährlichkeit von Tollwut.
Ich würde aber die Gefahr noch als gering einschätzen, weil es noch wenig Menschen gibt (siehe Vergleich mit den Ameisen). Ein Problem ist unsere hohe Mobilität und die der Waren, aber diesbezüglich sollte Paek Oil eher ein Vorteil sein.


Fazit: Ich glaube nichts davon, dass es zu viele Menschen gäbe, auch nicht in Bezug auf Peak Oil.

Nochmal zum Benehmen (man könnte es auch konstruktives Verhalten nennen o.ä.):

Da stoße ich immer wieder drauf. Auch oben kommt es schon mehrfach vor.

Wer hätte sich vorher vorstellen können, dass in den Vororten von Paris, wie im Herbst 2005 geschehen, einmal wochenlang jede Nacht tausende von Autos brennen würden, angezündet von Jugendlichen?
Wer hätte sich vorher gedacht, dass in New Orleans nach der Überschwemmung durch Hurrikan Katrina, Helfer kaum helfen konnten, wei sie von den Leuten angegriffen wurden?
Wer hätte sich vorstellen können, dass es in Italien, wie in diesem Jahr geschehen, unmöglich sein würde, Fußballspiele abzuhalten, weil es derartig extreme Krawalle gab?

Was nützen die besten Solarmodule, wenn irgendwelche Vandalen sie mit Steinen bewerfen? (Bei eBay werden erstaunlich viele Module mit Steinschlagschäden angeboten.)

Ohne Benehmen ist alles Nichts. Oder wie es in einem Spruch heißt: Wo die Liebe fehlt, wird das Brot zu Stein.
Mangelndes Benehmen kostet viel Lebensqualität.

Die nächste Frage wäre jetzt, wie wir dazu kommen, dass sich die Menschen von selber gut benehmen.
(Viele kapitulieren davor leider.)

Dazu fallen mir zwei wichtige Punkte ein und beide werden sie leider sehr vernachlässigt. Man spart am falschen!

1. Die Erziehung der Kinder zu vollwertigen und verantwortungsvollen Menschen. Nicht viel Wissen ist das Wichtigste ("Pisa-Bildung"), sondern Herzensbildung, damit sie mit dem Wissen auch etwas gutes anfangen. Die Kinder gut zu erziehen, ist keine Kleinigkeit. Sie machen allerhand Dummheiten, sind lieblos zu anderen, lassen im Geschäft etwas mitgehen, machen gefährliche Dinge ... Das ist noch kein Beinbruch. Es muss nur jemand da sein, der ihnen klar macht, dass es so nicht geht. Noch wichtiger, als so kleine Korrekturen ist einfach die Weitergabe der Liebe von Generation zu Generation, vor allem von der Mutter zum Kind, über viele Jahre. Das fehlt heute oft mehr oder weniger, weil Mutter und Kind früh getrennt werden (Mutter im Job, Kind im Hort etc.) aber es kann keine Institution ersetzen! Man sieht ihnen nicht an, dass ihnen etwas fehlt, aber die Konsequenzen können weitreichend sein. Dazu bekommen Kinder statt Wertschätzung und Vertrauen oft das Gefühl vermittelt, irgendwie lästig zu sein. Zur Zeit scheint der Trend immer weiter in die falsche Richtung zu gehen und das wird sogar noch als Kinderfreundlichkeit verkauft. Kümmert Euch gut um Eure Kinder!

Oder wie Agnetha Fältskog singt: Take Good Care Of Your Children


2. Für mindestens genauso wichtig halte ich einen richtig verstandenen Glauben an Gott (nicht fanatisch und nicht selbstgerecht, wie die Pharisäer) - nicht weil die Religion einen so schön besänftigt (und angeblich Opium für's Volk ist) und auch nicht primär wegen der Lebensregeln die dabei inklusive sind. Das Wichtigste ist vor allem, unseren Schöpfer nicht auszuschließen und so zu tun, als gäbe es ihn nicht und als wäre hier alles von allein entstanden. Er gehört nicht ausgeschlossen und allenfals als Privatsache geduldet, sondern er gehört überall mit dazu und gefeiert (schaut Euch mal mit offenen Augen die Schönheit der Welt an!).
Wie soll ich es erklären - ganz nebenbei bekommt man Kraft, Urteilsvermögen und eine positive Weltsicht, trotz aller Gefahren. Manche werden damit vielleicht nicht viel anfangen können. Ich erwähne Gott und den Glauben an ihn hier trotzdem, weil ich denke, dass er den Unterschied macht zwischen einem Forum, das lediglich Dinge beobachtet, beschreibt, vorhersagt und vielleicht beklagt, und einem Forum, das etwas Positives zur Entwicklung beitragen kann.

Ohne ihn wird es nicht gehen. Ohne ihn wird das Benehmen der Menschen nur schlechter und schlechter. Ohne ihn wäre auch dieser Beitrag unvollständig und letztlich vergebens.

Eine schöne Zeit auf dieser Erde, ohne jedes schlechte Gewissen, hier zu sein, wünsche ich allen!


Wolfram

 


Letzte Änderung: 21. November 2019

Wolfram Zucker

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