Soll man mit Weizen heizen ?



Der folgende Text bezieht sich auf eine Frage im Forum "Alternative Energien" bei Bau.de zum Thema:

Pelletofen mit Weizen heizen?

Eine gekürzte Version finden Sie dort als Antwort Nummer 14.

Titel: Weizen ist ein Grundnahrungsmittel

Hallo allerseits,

ich möchte alle beglückwünschen, denen bei dem Vorschlag, mit Weizen zu heizen unwohl ist, die Alarmglocken läuten oder die Haare zuberge stehen >:-/ usw. Sie haben sich einen gesunden Instinkt bewahrt. Instinkt oder Gefühl sind nämlich keine überflüssigen Regungen, die man überwinden und ablegen sollte, sondern sie sind mit die besten Ratgeber, die wir haben (auch wenn man das "warum" nicht immer erklären kann).
Eine solche Idee kann wahrscheinlich nur haben, wer Hunger nicht wirklich kennt. Wir haben das Glück, dass bei uns schon lang niemand mehr hungern musste. Trotzdem sollten wir Nahrungsmittel in Ehren halten, nicht mit ihnen spielen, basteln, sie wegwerfen ... (vielleicht so, wie man einen Regenschirm mitnimmt, damit es nicht regnet ...;-)
Leider haben viele solche Werte wohl schon über Bord geworfen ... den Eindruck bekommt man jedenfalls, wenn man quer durch's Internet liest, was so über Getreideheizung u.ä. geschrieben wird. Es erinnert mich daran, dass für Gentechnik-Versuche ausgerechnet Kolibakterien verwendet wurden, die wichtige Dienste im Verdauungstrakt der Menschen leisten. Es ist wie Sägen an dem Ast, auf dem man sitzt - eine Zeit lang merkt man nichts ... und wenn's schief geht, ist das Geschrei groß.

Abgesehen von solchen ideellen Argumenten gibt's auch mehr oder weniger sachliche.
Ich sortiere mal nach Aufgaben des Nutzpflanzenbaus, mit absteigender Priorität, so wie ich es sehe:

1. LEBENSMITTEL
Es ist sicher die ursprüngliche und wichtigste Aufgabe der Lanwirtschaft, die Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Leider ist die Basis immer schmaler geworden seit der Zeit der Sammler und Jäger. Man spricht von 7 Säulen der Ernährung der Menschheit (1. Reis, 2. Weizen, 3. Mais ... siehe z.B. [Weltkultur im Gemüsebeet]) einschließlich dem Umweg über Futtermittel. Man könnte sagen, dass wir aus Fantasielosigkeit unseren Speisezettel verarmen ließen. Es bedeutet aber vor allem auf der Erzeugerseite ein Risiko,besonders weil die Zahl der einzelnen Sorten stark abgenommen hat.
Der Weizen wird nicht nur auf dem jeweiligen Feld als Monokultur angebaut, sondern durch die große Verbreitung von inzwischen nur noch wenigen Sorten weltweit entsteht so etwas wie eine "globale Monokultur" (geringe Biodiversität lautet der Fachbegriff). Das widerspricht der Vielfalt der Natur und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich spezialisierte Schädlinge entwickeln. Bisher hat man es geschafft, die sich teilweise rasend schnell ausbreitenden Pilzarten, die den Weizen befallen, durch Fungizide zu bekämpfen, aber es bilden sich Resistenzen und der Einfallsreichtum der Natur hält die Entwickler von Pestiziden immer wieder in Atem. Auch wer glaubt, mit Gentechnik die Natur überlisten zu können, wird eines besseren belehrt werden und früher oder später feststellen, dass die Natur haushoch überlegen ist ... mal ganz abgesehen davon, was Pestizide und Gentechnik für unser Grundnahrungsmittel und damit für uns Menschen bedeuten ... Stichwort: Der Mensch ist, was er isst!
Am Beispiel Reis aus [Subsistenzproduktion - Weltproduktion]: "Von beispielsweise einst 400.000 bekannten Reissorten wurden in Indien während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch mehr als 30.000 Sorten angebaut. Gegen Ende des Jahrhunderts waren noch etwa 30 Hybrid-Sorten im Einsatz. Ein dramatischer Verlust, der ungeheure Risiken wie riesige Ernteausfälle durch Krankheitserreger und ungünstige äußere Umstände herauf beschwört."
Siehe auch: Alte Getreidesorten in Deutschland (19. Jhd. 1000 -> heute 30 Weizensorten)

Herr Stumpf, wenn Sie schreiben "Nun ja jedenfalls ist das Korn an sich ja noch kein Nahrungsmittel" ...  kann ich das nicht nachvollziehen. Vielleicht liegt es daran, dass heutzutage Zusammenhänge nicht mehr sichtbar sind? Wir haben das Korn in Säcken in der Speisekammer. 25 kg Weizen oder Roggen kosten knappe 20,- € (demeter-Qualität). Dinkel kostet fast das doppelte. Wenn wir Mehl brauchen, schöpfen wir mit 'ner Schüssel aus dem Sack in die Mühle und stellen die Schüssel unter die Mühle ... Bald darauf sind Pizza, Nudelfleckerl, Kuchen, Apfelstrudel ... fertig.

2. TIERFUTTER
Etwa die Hälfte des weltweit geernteten Weizens dient als Futtermittel. Auch das sollte eher reduziert werden (vgl. oben) und auch hier spricht es für eine gewisse Fantasielosigkeit der Menschen, denn von Natur aus würden die Tiere meistens etwas anderes fressen - z.B. die Rinder Gras (bzw. Heu) und das sollten sie auch. Am Beispiel unserer Enten: Das Geflügel-Körnerfutter, das sie von uns bekommen besteht aus Weizen und grob geschrotetem Mais. Wenn sie können, fressen sie aber alles Mögliche. Sie wühlen im Boden nach Insekten, Würmern, Schnecken, ernten Samen von verschiedensten Gräsern und Blumen, fressen alle möglichen Blätter, fangen Fliegen ...

3. NACHWACHSENDE ROHSTOFFE
Holz, Bambus, Baumwolle, Flachs, Leinen, Kokos, Sisal, Wolle, Bettfedern, Leder, Fell, Bienenwachs, Kork, Kautschuk usw. - sind die altbekannte und beliebte Rohstoffe aus der Natur. In jüngerer Zeit kommen weitere dazu, die vor allem die fossilen Energieträger ersetzen sollen, z.B. Pflanzenöl für Motoren, was ich erst mal gut finde. Dazu passt der Einwand von Herrn Walter (Antwort 12): "Dass man instiktiv erstmal Vorbehalte hat, Nahrungsmittel zu verheizen, ist also wenig begründet. Bei Diesel aus Rapsöl hat man sich ja auch dran gewöhnt."  Der Einwand scheint für's erste einleuchtend, aber ich drehe die Frage erst mal um: Haben wir uns schon an zu viel gewöhnt? Geht die Rohstoff-Produktion schon auf Kosten der Nahrungsmittel-Produktion?.. bei uns wohl nicht, aber weltweit schon eher (siehe Thema Hunger ... unten). Außerdem gibt's weitere Unterschiede: Raps ist wenigstens keine der "7 Säulen der Ernährung" und es ist auch nicht gerade das wertwollste Öl. Olivenöl oder Sonnenblumenöl würde ich nicht als Treibstoff verwenden. Akzeptabel fände ich auch Ölpalmen, wenn sie nicht auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion gehen oder z.B. Leindotter, der das als Zwischenkultur im modernen "Mischfruchtanbau" sowieso nicht tut. Schließlich ist auch die Gewinnung von Rohstoffen (einschließlich Treibstoffen) noch ein höheres Ziel, als die bloße Verbrennung (siehe zwei Punkte weiter unten). Die Erzeugung von Ethanol als Treibstoff(zusatz) aus Weizen (oder Hafer, Gerste, Roggen ...) finde ich trotzdem nicht in Ordnung (es sei denn er wäre verdorben, z.B. schimmlig) - da muss es andere Pflanzen geben ( siehe z.B. "Holz wird zu Öl").

4. HUMUS-PFLEGE
Unser Ackerbau ist bisher nicht nachhaltig. Auf der Seite www.regenwurm.de gibt es viele interessante Artikel, z.B. [2] Großfeld und Garten (leider nicht mehr online). Dieser längere aber lesenswerte Text beschreibt schön, wie der Anbau von Weizen und anderen einen Raubbau am Boden bedeuten (einige Zitate siehe unten). Der ursprünglich vorhandene Humus wird immer weniger und damit die Fruchtbarkeit des Bodens, es kommt zu Erosion... Allein der traditionelle nasse Reisanbau ist bisher nachhaltig. Im übrigen Ackerbau hat man dieses Ziel noch nicht erreicht. Interessant ist auch der Artikel Reichtümer der schwarzen Erde (leider nicht mehr online). Er handelt davon, wie die Ukraine, einst "Kornkammer Europas" durch übertriebenen Weizenanbau viel von der Qualität ihrer Böden eingebüßt hat.

Die Menschen neigen ja zu einfachem Denken. Bei ihrer Ernährung waren sie alsbald stolz, die Hauptnährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlehyrate entdeckt zu haben und sie fingen an, diese zu extrahieren (Beispiel Zucker). Hin und wieder redet jemand von diesem Vitamin, jenem Enzym oder Mineral. Neuerdings meint man, einzelne davon künstlich zusetzen zu müssen, teilweise dann wieder überdosiert... Warum lässt man es nicht bei der natürlichen und vielfältigen Mischung in naturgemäß erzeugter, abwechslungsreicher Nahrung? Das ist es doch, worauf der Mensch sich seit Urzeiten eingestellt hat.
Ähnlich vereinfacht denkt man beim Pflanzenbau, nur dass es hier Stickstoff, Phosphor und Kali sind, auf die man sich konzentriert (wenn's gut läuft noch Kalk und Magnesium). Vergessen wird dabei, dass eine Vielzahl von Stoffen zu einer gesunden Pflanzenentwicklung gehören und dass ein intaktes Bodenleben diese bereitstellen kann. Statt dessen führt man die Hauptnährstoffe (als Mineraldünger) zu, um das Wachstum anzuregen. Die übrigen Nährstoffe stehen aber nicht in größerer Menge zur Verfügung - im Gegenteil, sie werden weniger, weil das Bodenleben durch die Mineraldünger Schaden nimmt. Außerdem mangelt es diesem an Schutz und Futter, weil pflanzliche Substanz bei der Ernte abgeführt aber keine zurückgebracht wird (siehe Produktionsgrundlage Boden - "Boden ist kein Nährstoffbehälter"...).
Abhilfe kann im Gartenbau die Kompostwirtschaft schaffen. Beim Ackerbau ist es schwieriger, aber auch hier pflegt man den Boden, indem man ihm pflanzliche Substanz zurück gibt. Wie beim Kompost ist dabei das C/N-Verhältnis interessant: Die Kleinen Helfer im Boden brauchen einen Teil Stickstoff, um 30 Kohlenstoffteile aufzuarbeiten. Bei grünen Pflanzenteilen liegt das C/N-Verhältnis um 30 (=ausgewogen) oder darunter (="eng") und ist unproblematisch. Bei Holz ist es mit über 500 sehr weit (Kohlenstoffüberschuss), wodurch Holz und holzige Abfälle prädestiniert sind, verbrannt zu werden. Stroh (50 ...150) ist ein Grenzfall. Es könnte verbrannt oder besser (z.B. zusammen mit Stickstoff lieferndem Mist -> Einstreu) der Humuspflege dienen.
Zitate aus Boden / Humus / Mutterboden : "Vor 200 Jahren hatten die landwirtschaftlichen Nutzflächen in den meisten Ländern eine Humusschicht von durchschnittlich 60 Zentimetern, auf der unsere Nahrung wuchs. Heute ist diese Schicht, besonders in den USA, auf knapp 25 Zentimeter reduziert worden. Weitere 3 Zentimeter gehen alle 20 Jahre verloren." ... "Wir brauchen unseren Boden zum Nahrungsanbau! Er ist eine zu kostbare Ressource, als daß er mit einer derartigen Geringschätzung behandelt werden darf. Auf der anderen Seite sind ungerodete Wälder die einzigen Flächen, auf denen die Erosion des Humus überhaupt kein Problem darstellt."

5. VERBRENNUNG
Verbrannt werden kann ziemlich viel: Kohle, Erdöl, Erdgas, Biogas, Wasserstoff, Müll, Klärschlamm und alle Pflanzenteile in trockenem Zustand. Üblicherweise wird so gewirtschaftet, dass Verbrennen die letzte Wahl ist. Beim Müll heißt es etwa "Verwertung geht vor Verbrennung". Klärschlamm wird nicht mehr auf Felder ausgebracht, sondern verbrannt (oder deponiert), wegen der enthaltenen Chemikalien (ebenfalls fragwürdig). Wenn ich einen morschen Ast habe und ein übriges Brett, verarbeite ich zuerst den Ast zu Brennholz, weil man den sicher nicht anderweitig braucht usw.
Weizen zu verbrennen, kann ich mir nur vorstellen, wenn er verdorben ist (schimmlig, Stinkbrand ...wenn nur Käfer drin sind kann ich ihn immer noch den Enten geben). Ich würde ihn als Zugabe zu Hackschnitzeln, Pellets oder Scheitholz verwenden. Bei einem zu großen Anteil gibt's Schwierigkeiten, weil die Asche einen niedrigeren Schmelzpunkt (700-800 °C gegenüber 1200 °C bei Holz) hat und zu Schlacke zusammenbäckt - so viel zur sachlichen Beantwortung der Frage von Herrn Stumpf (Es ist sonst nicht meine Art, so viel jenseits der Fragestellung zu antworten). Es gibt Spezialkonstruktionen mit bewegtem Rost, was ich aber für überflüssig halte, denn verdorbener Weizen sollte sowieso die Ausnahme sein. Außerdem sieht man daran, dass er nicht prädestiniert ist, verheizt zu werden.
Wenn Pflanzen schon extra zum Verbrennen angebaut werden, dann muss es doch nicht ausgerechnet Getreide sein (fantasielos, einseitig: noch mehr Getreideanbau, vgl. 1. und 2.). Es gibt so viele andere, z.B. Chinaschilf (ertragreiche C4-Pflanze) ... oder Bäume. Die traditionelle Forstwirtschaft erlaubt eine mehrfache Nutzung: schöne Landschaft, Spazierengehen, Pilze-Sammeln..., Lebensraum für Wild, Vögel ..., Gewässerschutz, Bauholz (Rohstoff, siehe 4.) und Brennholz - alles ohne Chemieeinsatz, mit relativ wenig Arbeitsaufwand und kaum Humusverbrauch. Wald schützt Humus und fördert seine Neubildung, siehe: [Boden / Humus / Mutterboden].

Weitere Aspekte

HUNGER IN DER WELT
Was sollen Menschen in der 3. Welt von uns denken, wenn ihnen zu Ohren kommt, dass bei uns Weizen verheizt wird?
Wahrscheinlich fehlt ihnen jegliches Verständnis - und haben sie nicht recht?
Die Gründe für Hunger sind vielschichtig - Kolonialisierng, Großgrundbesitz, Korruption, Ausbeutung (auch durch uns), Konflikte, Kriege ... (siehe z.B. Subsistenzproduktion - Weltproduktion und Das Geschäft mit dem Welthunger)
Es liegt nicht einfach daran, dass es zu viele Menschen gäbe oder zu wenig Nahrungsmittel. Es ist ein Verteilungsproblem.
Es heißt nicht zu Unrecht, dass Hilfe zur Selbsthilfe die beste Hilfe ist, aber oft genug ist eben doch konkrete Hilfe gefragt. Udo Jürgens singt in seinem schönen Lied mit dem Titel "Ich glaube": "... dass den Hungernden zu speisen ihm besser dient, als noch so kluger Rat". Wenn man mal die Menschheit als Ganzes betrachtet, ist es dann nicht lächerlich, dass (trotz allen Fortschritts) die einen nicht wissen wohin mit ihrem Getreide und die anderen verhungern? Innerhalb einer Familie würde man ja auch nicht einen verhungern lassen, nur weil er nicht genug leistet oder weil man befürchtet, man könnte Faulheit unterstützen.
Anders als bei uns, führt in der 3. Welt die Landwirtschaftliche Produktion für den Export (z.B. Futtermittel für unseren Fleischkomnsum) heute schon oft zu Hunger im betreffenden Land. Zitat: Der brasilianische Bischof Don Helder Camara bringt es sogar noch drastischer auf den Punkt: "Das Vieh der Industrieländer konkurriert mit den Menschen der Entwicklungsländer." Da besteht schon die Gefahr, dass auch Energiepflanzen für den Export den Nahrungsanbau für den eigenen Bedarf verdrängt.

BAUERN ZWISCHEN DEN FRONTEN
An unserer Landwirtschaft wird das Nord-Süd-Gefälle sichtbar. Unsere Bauern messen den Lohn ihrer Arbeit natürlich am hiesigen Lebensstandard, aber ihre Produkte konkurrieren mit jenen aus armen Ländern mit viel geringerem Lohn und Lebensstandard. Die Schuld allein der EU-Agrarpolitik zu geben, greift etwas zu kurz. Vielmehr versucht die EU krampfhaft, einen Ausgleich zwischen diesen Extremen zu bewerkstelligen, um bei uns eine Landbewirtschaftung überhaupt aufrecht zu erhalten.

ZWANG DES MARKTES ?
Wenn Bauern sagen, dass sie den Weizen verheizen, weil das für sie die wirtschaftlichste Nutzung ist, dann verstehe ich das allenfalls als Hilferuf, dass so manche Relationen nicht stimmen. Wenn sie es wirklich tun, habe ich aber trotzdem kein Verständnis - ähnlich wie wenn Lastwagenladungen von Tomaten oder Orangen ausgekippt werden "aus Protest" ... oder um Preise künstlich hoch zu halten - da soll man halt weniger davon anbauen oder es im Zweifel lieber verschenken. Es gibt immer noch genügend Leute, die sich kaum Orangen leisten und es gibt Länder, die sich kaum Weizenimporte leisten können.

GELD ALS MASS ALLER DINGE ?
Unser Bundespräsident Johannes Rau hat zum Jahreswechsel gesagt, dass das Geld eben nicht Maß aller Dinge sein soll. Das ist sehr weise. Geld ist ein praktisches Hilfsmittel für den Tauschhandel, aber mehr nicht. Wenn jeder nur macht, was Geld bringt, fehlen Weitsicht, Anstand, Soziales ... (Beispiele: Ausbildung, Ressourcen-Schonung, Humuspflege). Man kann mit dem Argument, dass es Geld bringt, wohl jede Gaunerei rechtferigen. Man hört immer wieder: So wie dieses oder jenes früher gemacht wurde - das kann man sich heute gar nicht mehr leisten. Warum eigentlich nicht? Wir sind schon ziemlich unfrei - ziemliche Sklaven des Geldes!

VERWÖHNT DURCH'S ÖL ?
Wenn man nach dem Slogan geht "Die Preisuntergrenze der Agrarprodukte wird von ihrem Heizwert bestimmt", was passiert dann eigentlich, wenn das Öl knapper und immer teurer wird? Werden dann auch Weizen, Brot ... immer teurer? Wie gut, dass man Milch nicht tanken kann - die ist viel billiger als Benzin (was ich nicht gut finde).
Öl & Co haben den Menschen viel Wohlstand gebracht, aber sie laden auch zur Verschwendung ein und der Weg zurück ist mühsam. Der Sinn und Segen der alternativen Energien (und dieses Forums) ist es ja, uns aus der Abhängigkeit von den alten Energien zu befreien. Die zukünftige Energie wird bis auf weiters nicht so billig sein, wie das Erdöl, das in dicken Rohren aus dem Boden strömt. Beispiele: Ölpalmen müssen gepflanzt und geerntet werden. Solarkraftwerke in der Wüste oder Solaranlagen auf unserern Dächern müssen gebaut und instand gehalten werden. Mehr Arbeitsaufwand bedeutet teurer. Es hat daher keinen Sinn, wenn man mit alternativen Energien versucht, den immer weiter steigenden Ansprüchen hinterher zu laufen.
(Lesen Sie dazu die gut geschriebene Seite Was kann und soll die Energiewende bedeuten Priorität für Einsparung.)
Beispiele: Wer sein Wasser solar erwärmt, wird meist auf eine Zirkulation verzichten, um den Vorrat nicht vorschnell aufzubrauchen. Wer eine Photovoltaik-Inselversorgung hat, wird wahrscheinlich weniger Geräte Nonstop im Standby an lassen. Bevor ich Weizen im Ofen verbrenne, würde ich eher garnicht heizen, sondern in Eskimogewand im Haus herumlaufen. Manche glauben, das ginge nicht, aber die Tiere draußen machen es uns vor (extrem ausgedrückt - so weit muss es ja nicht kommen).


Wolfram Zucker

Letzte Änderung: 30. Juni 2007


Weiterführende Links - und Zitate daraus

[01] Weltkultur im Gemüsebeet (Sieben Säulen der Welternährung)
[02] Subsistenzproduktion - Weltproduktion (Hausarbeit)
[03] Alte Getreidesorten in Deutschland (19. Jhd. 1000 -> heute 30 Weizensorten)
[04] Mehr Arten und mehr Leben auf Bioäckern (Sonnenseite)
"Die Vielfalt in der Natur ist zugleich ihre Überlebensgarantie."
[05] Fallstudie Indonesien - Probleme bei der Intensivierung
"in den USA mußte man die Weizensorten alle fünf Jahre wechseln"

[11] Nachwachsende Rohstoffe (Glossar Sonnenseite.com)
[12] Biomasse ... Holz wird zu Öl. (nicht mehr online)
[13] Mischfruchtanbau statt Monokultur
[14] BN für Förderung des Mischfruchtanbaus mit Ölertrag
[15] Treibstoff der Zukunft: Wasserstoff oder Pflanzenöl?
"...Ölpflanzen, die zum Teil wie "Unkraut" gedeihen (z.B. Ricinus in den Tropen, Purgiernuss in der Sahelzone und Leindotter in Mitteleuropa"
[16] Die Waldwende - Eine Chance für das Leben (Sonnenseite)

[21] Großfeld und Garten (Humus ...)
(leider nicht mehr online - ehemals unter http://www.regenwurm.de/fr301.htm)
Zitate daraus: "Die Menschheit kann sich bei diesem Triticum [gemeint ist Weizen] mit mehr Recht bedanken, als bei vielen hochgepriesenen Helden und Königen, denn es hat unendlich viel mehr für sie getan."
aber:
"Soweit das Beispiel Ungarn, sein Glück und Untergang als Weizenkammer Europas. Es zeigt in tragischer Anschaulichkeit, wohin die WeizenWeizenkultur logischerweise führen muß. Ein solcher unzweckmäßiger Fruchtwechsel ist allein schon imstande, ausgesprochene Dürren hervorzurufen ..."
"Und dennoch hat nichts so sehr zur Humusverwüstung der Welt: beigetragen, wie die Poesie der ,wogenden Weizenfelder"
zum Vergleich Reis:
"Man könnte mit Recht sagen, daß der Ausgleich des Humusersatzes, der im gemäßigten Klima bisher so ganz und gar nicht gelungen ist als eine unumgängliche Vorbedingung des Reisbaus betrachtet werden muß, und daß somit dieser der bestimmende und staatserhaltende Faktor der seit Jahrhunderten maßlos übervölkerten Riesenreiche des fernen Ostens geworden ist. Hätte dort der Humusschwund in demselben Tempo wie hier dieselben Fortschritte gemacht, so wären schon längst Politik und Wirtschaft in einem unbeschreiblichen Chaos zusammengebrochen."

[22] Reichtümer der schwarzen Erde (Geschichte der Ukraine)
(leider nicht mehr online - ehemals unter http://www.regenwurm.de/fr482.htm)
[23] Boden / Humus / Mutterboden
[24] Produktionsgrundlage Boden (Boden ist kein Nährstoffbehälter)

[31] Kommentar (kritisch)

[41] Was kann und soll die Energiewende bedeuten (Priorität für Einsparung)
[42] Sonnleitner: Die Deutschen essen sich krank (Sonnenseite) "Jetzt zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin sind sich alle einig: Lebensmittel sind in Deutschland zu billig. Und: Billiges Essen bedeutet mehr Krankheiten."

Politik muss Verlust der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft stoppen
+ 18.01.2005 + Nur noch zwölf Pflanzenarten und fünf Nutztierarten bilden die Grundlage unserer Ernährung. 99,6 Prozent der Kulturpflanzen bleiben hingegen ungenutzt und rund 2000 Nutztierrassen sind derzeit vom Aussterben bedroht. Das wissenschaftliche Verbundprojekt "Agrobiodiversität entwickeln!" untersuchte die Ursachen und Folgen, die der Verlust der Artenvielfalt im Bereich der Landwirtschaft mit sich bringt. Artikel lesen


Letzte Änderung 30. Juni 2007


Wolfram Zucker



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